grabeskirche st. josef Aachen

St. Josef Aachen Innenraum Kirchenumnutzung Grabeskirche

geschichte

Ende des 19. Jahrhunderts entstand im Aachener Osten im Zuge der Industrialisierung ein neues Arbeiterviertel. Die neu entstandene Gemeinde wurde nach dem heiligen Josef, der Zimmermann war, benannt. Der Bau der Neugotischen Kirche begann Anfang 1893 und war Ende 1894 bereits fertiggestellt. Zu dieser Zeit war die Kirche die größte in ganz Aachen. 

Im zweiten Weltkrieg wurde die Kirche jedoch stark beschädigt. Der Wiederaufbau erfolgte schnell, allerdings wurde er etwas kleiner ausgeführt. So wurde unter anderem der markante Turmhelm weggelassen.

Anfang der 2000er Jahre wurde die St. Josef Gemeinde mit einer anderen Aachener Gemeinde zusammengelegt. Für die nun leerstehende Kirche St. Josef wurde ein sinnvolle Nachnutzung gesucht. Nach vielen Überlegungen wurde die Kirche 2006 zu einer der ersten Grabeskirchen Deutschlands umgewidmet. 

St. Josef Aachen Innenraum Wasserlauf Kirchenumnutzung

architektur

Die Kirche wurde vom Architekten Franz Langenberg im Stil der Neugotik errichtet.

St. Josef befindet sich zwischen zwei zentralen Straßen an einer städtebauliche exponierten Stelle. Die prachtvoll gestaltete Westfassade mit Turm und Eingangsportal zeigt in Richtung der Aachener Innenstadt und liegt in einer Achse mit dem berühmten Aachener Dom. Markant ist vor allem der Kirchturm, welcher ab etwa der Hälfte seiner Höhe von einem quadratischen zu einem achteckigen Grundriss wechselt. Dadurch entsteht der kronenartige Dachabschluss mit acht spitzen Giebeln. Geprägt wird das Gebäude äußerlich auch durch den roten Ziegel, der in starken Kontrast zum hellen, durch die Zeit mit einer lebendigen Patina überzogenen Sandstein steht.

Prägend für den Innenraum ist das hohe und weite Langhaus, das einen hellen, hallenartigen Raum erzeugt. Runde, schlanke Stützen tragen die Decke. Das Gewölbe wurde so bemalt, dass es wie gemauert aussieht. Dadurch entsteht ein starker Kontrast der roten Flächen zu den hellen Flächen der Sandsteinwände. 

Durch die vom Künstler Ludwig Schaffrath entworfenen abstrakten Glasfenster fällt viel Licht in den Innenraum. Der Chorbereich im Osten ist durch vier Stufen erhöht und zieht sich bis in den Vierungspunkt von Lang- und Querhaus.

St. Josef Aachen Innenraum Urnensteelen Kirchenumnutzung Grabeskirche

umnutzung & umbau

Für die Nutzung als Urnengrabstätte haben die Architekten den hohen, weiten Innenraum als landschaftlichen Raum konzeptioniert. 

Entlang der mittleren Hauptachse der Kirche fließt ein kleiner, flacher Wasserlauf vom westlichen Eingangsbereich durch das Hauptschiff bis zum Querhaus, wo er beim historischen Taufbecken endet. Rechts und links dieser zentralen Achse befinden sich die Urnensteelen. Sie wachsen in Form von kubischen Feinbetonskulpturen aus dem Boden. Unregelmäßige Hohlräumen an den Ecken der Steelen bieten Platz die Urnen. Sie sind in steinernen Kuben gefasst, in denen Namen und Daten der Verstorbenen einmeißelt sind. Sie scheinen durch eine sie umgebende Schattenfuge in der Nische zu schweben. Die Steinkuben bestehen aus unterschiedlichen, glatt geschliffenen Steinsorten wie Marmor, Dolomit oder Granit. Durch sie werden die Steelen lebendig, es wird ein Kontrast zu den matten, grauen Betonflächen erzeugt. 

St. Josef Aachen Innenraum Urnensteelen Kirchenumnutzung Grabeskirche

Die Betonsteelen dienen gleichzeitig als zonierendes Raumelement. Entlang der Pfeiler teilen sie die seitlichen Bereiche in kleine, intimere Kapellen auf. Der Boden in diesen Bereichen besteht aus grauem Schotter. Feine Betonplatten markieren Wegzonen. In den Seitenkapellen stehen unregelmäßig verteilt weitere Steelen. Es entsteht ein labyrinthartiger Raum, der Rückzugsmöglichkeiten bietet. 

Durch die massiven Steelen entstehen klare Raumzonen. Gleichzeitig bleibt der ursprüngliche Hallenraum durch die Höhe und das von weit oben einfallende Licht als Gesamtraum erfahrbar. So wurde auch der Forderung der Kirche entsprochen, keine großen baulichen Veränderungen am Bestand vorzunehmen. 

St. Josef Aachen Innenraum Schiffsplastik Kirchenumnutzung Grabeskirche

Über dem gesamten Urnenbereich schwebt eine Plastik unter dem Gewölbe. Rippenartig, beidseitig entlang eines Stahlrohres gespannte Tücher brechen das einfallende Licht. Sie werden in der Mitte länger und zu den Enden kürzer, so dass der Eindruck eines Schiffrumpfes entsteht. Von weiter Betrachtung klar zu erkennen, löst sich das Bild beim näheren Herantreten immer mehr auf, die Lücken zwischen den Rippen werden größer. Symbolisch kann die Plastik als Überfahrt vom Leben in den Tod und vielleicht die Auferstehung an einem anderen Ort interpretiert werden.

Im ehemaligen Altarbereich im Chor wurde ein kleiner Gottesdienstbereich geschaffen. Hier finden Trauerfeiern und kleine Gedenkgottesdienste statt.

galerie

Architektur: Hahn Helten Architekten, Aachen

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